Die ausverkaufte The Hall in Zürich/Dübendorf wurde an diesem Abend zum Schauplatz eines besonderen Kapitels Schweizer Rockgeschichte. Unter dem Banner Rock Monsters of Switzerland trafen Gotthard und Krokus erneut aufeinander – zwei Bands, die seit Jahrzehnten den Sound dieses Landes prägen. Nach den legendären gemeinsamen Shows von 2017 war klar: Das hier war kein Nostalgietreffen, sondern ein kraftvolles Statement. Und so ging es ohne lange Vorrede direkt los – pünktlich um 18:45 Uhr mit Bluedög als Opener.
Philipp „Bluedög“ Gerber und seine Band legten einen intensiven Einstieg hin, der sofort für gespannte Aufmerksamkeit sorgte. Zwischen zerbrechlich leisen Momenten und brachialen Ausbrüchen spannte der Ausnahmegitarrist seinen Bluesrock-Bogen, ließ die Gitarre singen, schreien und flüstern. Die Rhythmussektion hielt den Groove konstant am Kochen, während sich Gerber mit ausufernden Soli und kraftvollem Gesang tief ins Set spielte. Szenenapplaus und ehrliche Begeisterung im Publikum zeigten schnell: Das war weit mehr als nur ein Anheizer – das war ein eigenständiges, intensives Erlebnis, das The Hall früh auf Betriebstemperatur brachte.
Um 19:50 Uhr übernahmen Krokus die Bühne und machten vom ersten Ton an klar, warum sie auch nach 50 Jahren noch immer zu den ganz Großen gehören. Marc Storace präsentierte sich stimmgewaltig, spielfreudig und ständig im Kontakt mit dem Publikum, während Chris von Rohr und Co. den typischen, schnörkellosen Krokus-Groove durch die Halle trieben. Klassiker wie „Headhunter“, „Long Stick Goes Boom“ oder „Heatstrokes“ zündeten sofort, Fäuste gingen nach oben, Refrains wurden lautstark mitgesungen. Krokus spielten roh, direkt und voller Energie – ganz nach dem Motto, jeden Auftritt so zu zelebrieren, als wäre es der letzte.
Mit etwas Verspätung ging es dann um ca. 21:35 Uhr weiter. Nun lag der Fokus ganz auf Gotthard, die The Hall mit ihrer Mischung aus Druck, Präzision und großen Melodien fest im Griff hatten. Leo Leoni und Marc Lynn agierten wie ein perfekt eingespieltes Uhrwerk, während Nic Maeder mit starker Stimme und viel Nähe zum Publikum überzeugte. Neben Klassikern wie „Mountain Mama“, „Anytime Anywhere“ oder „Hush“ fanden auch Songs vom aktuellen Album Stereo Crush ihren Platz und fügten sich nahtlos ins Set ein. Gotthard wirkten selbstbewusst, routiniert und gleichzeitig spürbar hungrig – eine Band, die ihre Geschichte kennt, sich aber nicht darauf ausruht.
Der emotionale Höhepunkt folgte gegen 22:35 Uhr, als Gotthard und Krokus gemeinsam die Bühne betraten. Hier noch ein kleiner Schwenk, wir wurden an diesem Abend hervorragend durch Alex von Goodnews betreut, die es sogar ermöglicht hätte, dass wir den letzten Song fotografieren hätten können. Aber auch die Goodnews Betreuer brauchen irgendwann, nach einem langen Tag, der früh morgens beginnt, ihren Feierabend. So war für uns im Fotograben klar, dass wir dieses Angebot nicht angenommen haben. So nun aber zurück zum Gig. Plötzlich standen Generationen, Bandgeschichten und Rock-DNA Schulter an Schulter, vereint in einem kollektiven Finale. Beim gemeinsamen Abrocken, Mitsingen und Feiern wurde aus zwei starken Einzelshows ein großes Ganzes. Die Musiker von Krokus und Gotthard setzten einen gemeinsamen Schlusspunkt für diesen Konzertabend, der gleichzeitig zeigte, was Schweizer Rock ausmacht: Leidenschaft, Respekt und eine ungebrochene Liebe zur Musik – getragen von einem Publikum, das diesen Moment sichtbar genoss!