Wenn eine Tour schon im Vorfeld als „letztes Kapitel“ angekündigt wird, liegt automatisch eine gewisse Schwere in der Luft – gemischt mit Vorfreude und der Ahnung, dass man Teil eines besonderen Moments werden könnte. Genau dieses Gefühl zog sich auch durch den Abend in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln, als Geoff Tate mit „Operation: Mindcrime – The Final Chapter“ Halt machte. Ein Album, das seit Jahrzehnten als Meilenstein gilt, sollte hier ein letztes Mal komplett auf die Bühne gebracht werden – und schon vor dem ersten Ton war spürbar, dass das Publikum diesen Abend nicht einfach nur konsumieren, sondern erleben wollte.
Den Auftakt übernahmen INNER VITRIOL, die sich mit ihrem düsteren Progressive-Metal-Sound schnell in die richtige Kerbe spielten. Die Italiener brauchten nicht lange, um die Aufmerksamkeit im Z7 auf sich zu ziehen – komplexe Strukturen, druckvolle Riffs und diese Mischung aus Härte und Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch ihr Set zog. Sänger Gabriele Gozzi überzeugte mit einer ausdrucksstarken Stimme, die zwischen intensiven, fast zerbrechlichen Momenten und kraftvollen Ausbrüchen pendelte. Man merkte der Band ihre Erfahrung als Support großer Prog-Acts an, da wirkte alles durchdacht und gleichzeitig angenehm roh. Das Publikum im Z7 reagierte neugierig und zunehmend begeistert – ein stimmiger Opener, der die emotionale Tiefe des kommenden Hauptacts bereits erahnen ließ.
Als schließlich Geoff Tate die Bühne betrat, wurde es schlagartig begeisterter in der Konzertfabrik. Mit den ersten Klängen von „I Remember Now“, „Anarchy-X“ und „Revolution Calling“ war klar, dass hier nicht einfach Songs heruntergespielt wurden – hier wurde eine Geschichte erzählt. Geoff Tate präsentierte sich stimmlich in guter Form, präsent, klar und mit genau dem Ausdruck, den dieses Werk verlangt. Die Band agierte auf den Punkt, die drei Gitarren sorgten für die nötige Dichte und setzten die komplexen Arrangements mit spürbarer Spielfreude um. Spätestens bei „Suite Sister Mary“, unterstützt von Clodagh McCarthy, entwickelte sich eine fast schon theatralische Intensität, die das Publikum förmlich in die Handlung hineinzog. Der Abschluss des Albums mit „Eyes of a Stranger“ fühlte sich dann tatsächlich wie ein Kapitelende an – getragen von einer Mischung aus Begeisterung und Wehmut.
Nach einer kurzen Pause ging es mit Klassikern weiter, die das Z7 noch einmal ganz kräftig zum Kochen brachte. „Empire“ und „Jet City Woman“ wurden lautstark mitgesungen, die treuen Fans kamen hier voll auf ihre Kosten. Den emotionalen Höhepunkt setzte später „Silent Lucidity“, das für Gänsehaut sorgte, bevor „Queen of the Reich“ als energiegeladener Schlusspunkt noch einmal zeigte, welche Strahlkraft diese Songs bis heute haben. Am Ende blieb ein Abend, der mehr war als ein Konzert – es war eine Verabschiedung von einem Stück Musikgeschichte, intensiv, würdevoll und mit genau der Leidenschaft, die dieses Werk seit jeher ausmacht.