Es lag fast schon ein Hauch von Nordlichtern über der Konzertfabrik Z7, als sich die Türen für eine „Nordischen Nacht“ öffneten. Drei Künstler, drei Klangwelten, ein gemeinsamer Herzschlag zwischen Mystik, Melancholie und Magie. Den Anfang machte Elinborg, die jüngere Schwester von Eivør, mit ihrem unverwechselbaren Dark Electro Pop. Ihre klare, verletzliche Stimme schwebte über minimalistischen Beats, getragen von einer melancholischen Grundstimmung, die das Publikum sofort in ihren Bann zog. Songs wie Brimið oder neue Stücke vom kommenden Album wirkten wie leuchtende Spuren im Nebel – ruhig, eindringlich und von jener nordischen Tiefe, die sich nicht erklären lässt, sondern nur fühlen. Elinborgs Musik war eine Mischung zwischen Folk und Elektronik – ein zarter Auftakt, der bereits die Seele berührte.
Mit Ásgeir änderte sich die Stimmung, ohne dass die Magie wich. Der isländische Songwriter trat zurückhaltend, fast entrückt auf die Bühne und schuf eine Atmosphäre mit viel Intensität. Seine unverwechselbare Kopfstimme und die filigranen Arrangements zwischen Akustik und Elektronik ließen die Halle in verträumte Ruhe sinken, wobei es ja keine Ruhe war. Stücke wie Bury the Moon oder Time On My Hands erzählten von Einsamkeit, Selbstfindung und der Kraft der Natur – unaufgeregt, aber tief bewegend. Es war einer jener Auftritte, bei denen man kaum wagte zu atmen, um keinen Ton zu verpassen. Die Zuschauer lauschten gebannt, getragen von der Ruhe und Klarheit, die Ásgeirs Musik und seine Stimme ausstrahlt – ein stilles Leuchten zwischen den Klangwellen.
Als Eivør schließlich die Bühne betrat, wurde das Z7 zu einem Ort zwischen Traum und Urgewalt. Nebel wallte, das Licht flackerte, und ihre Stimme – kraftvoll, rau, doch voller Gefühl – durchzog die Halle wie ein Sturm über dem Nordatlantik. Mit Songs aus ihrem neuen Album ENN wie Jarðartrá oder Upp Úr Øskuni spannte sie einen Bogen von archaischer Erdverbundenheit bis zu elektronischer Ekstase. Ihr Wechsel zwischen zarten Gesängen, kehligem Growling und orchestralen Klanglandschaften war schlicht atemberaubend. Gerade bei Upp Úr Øskuni zeigten Eivør und ihre Schwester Elin ihr stimmliches Können. Das Publikum feierte sie mit Begeisterung, viele ließen sich von der Energie mitreißen, andere standen still und ließen die Emotionen einfach wirken. Mit dem Pink Floyd Klassiker Us And Them begeisterten Eivør und Ásgeirs in einem wundervollen Duett. Beim Finale mit Trøllabundin und Falling Free verschmolzen Bühne und Raum zu einem einzigen grossen Gänsehautmoment – ein Konzertabend, der nicht nur gehört, sondern fast schon erlebt wurde. Nordische Klänge die einfach nur begeisterten.