Die Nacht im X-TRA Zürich stand ganz im Zeichen nordischer Mystik, wilder Seeabenteuer und musikalischer Magie – ein Abend, der Folk in all seinen Facetten erlebbar machte. Schon beim Betreten der Halle lag eine gespannte Erwartung in der Luft, denn mit Faun, Ye Banished Privateers und Pettersson & Fredriksson standen gleich drei Formationen auf dem Programm, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und sich doch perfekt ergänzten.
Den Anfang machten Pettersson & Fredriksson, die pünktlich um 19:00 Uhr, eine halbe Stunde nach Einlass, die Bühne betraten. Daniel Pettersson und Daniel Fredriksson machen bereits seit Schulzeiten gemeinsam Musik und begleiteten Faun auch schon auf vergangenen Europatourneen. Ihre einzigartige Mischung aus originellen Kompositionen und traditioneller Musik, gespielt auf überwiegend traditionellen Instrumenten, verbreitete vom ersten Ton an eine warme, einladende Stimmung im ganzen Saal. Mit ihrer sympathischen Art regten die beiden zum Tanzen an und unterhielten sicher auch all jene, die sie zuvor noch nicht kannten – ein toller, sehr traditioneller Einstieg in den Konzertabend.
Im Anschluss enterten Ye Banished Privateers die Bühne und überrollten das Zürcher Publikum mit einem wilden Piratensturm. In stilechtem Gewand, mit Augenzwinkern und geballter Energie verwandelte die Truppe die Bühne kurzerhand in das Deck eines Freibeuterschiffs. Folk, Shanty und Punk verschmolzen zu einem mitreißenden Spektakel voller Chaos, Lebensfreude und Interaktion – ständig in Bewegung, immer nah am Publikum. Bei Songs wie Raise Your Glass oder Annabel wurde lautstark mitgesungen, während sich die Musiker mit spielerischem Witz gegenseitig die Mikrofone stahlen oder sich mitten im Song neckten. Doch hinter all dem Spaß steckte auch eine klare Botschaft: Libertalia rief zum Ende ihres Sets zur Gleichheit und Freiheit auf – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Status. Dieser Mix aus Entertainment, Haltung und Leidenschaft ließ die Menge jubeln und bereitete die perfekte Welle für den Headliner dieses Konzertabends.
Nun wurde es still, das Licht gedimmt – und Faun traten aus dem Nebel, begleitet von sphärischen Klängen, Flöten und der Drehleier. Von der ersten Note an öffneten sie ein Tor in eine andere Welt. Nebel, Licht und Klang verschmolzen zu einer Atmosphäre, die zwischen uralter Mystik und moderner Energie schwebte. Mit Songs wie Alba, Walpurgisnacht und Galdra führten sie ihr Publikum durch keltische Mythen, heidnische Rituale und poetische Träumereien. Besonders berührend war Lament, das sie ihrem verstorbenen Tontechniker Jürgen Schneider widmeten – ein kraftvolles, emotionales Stück, das viele im Saal sichtbar bewegte. Die Sängerinnen Laura Fella und Adaya beeindruckten mit ihrer klaren Stimmgewalt, Gerade Lauras engelsgleiche Stimme setzte enorme Akzente, während Oliver SaTyr wie immer mit Charme und Tiefgang durch das Konzert führte.
Wenn er über „wahre Magie“ sprach – als die Kraft, Träume zu gestalten und Wirklichkeit werden zu lassen – war das keine Floskel, sondern fühlbare Überzeugung. Mit Diese kalte Nacht und Hare Spell endete der Abend in einer dichten Mischung aus Melancholie und Euphorie, bevor minutenlanger Applaus die Band verabschiedete. Was blieb, war ein Abend, der weit über ein normales Konzert hinausging. Pettersson & Fredriksson eröffneten den Abend mit charmanter, traditioneller Folkenergie, Ye Banished Privateers zeigten, wie lebendig Folk sein kann – roh, ehrlich und ungezähmt –, während Faun das Publikum in eine andere Sphäre entführten. Eine perfekte Balance aus Spielfreude, Tiefgang und Magie.